Halboffene Weidelandschaft

Heideblüte in der Oranienbaumer Heide. Weidelandschaft mit Heckrindern.

Halboffene Weidelandschaft auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz „Oranienbaumer Heide“

Mit dem Abzug der GUS-Streitkräfte aus demGebietderOranienbaumerHeideim Jahr 1992 wurde sichtbar, welch einzigartiger Naturschatz sich im Laufe der letzten Jahrzehnte in dem Gebiet zwischen Oranienbaum, Jüdenberg, Möhlau und Sollnitz erhalten oder entwickelt hat. Offenland-Vogelarten wie Ziegenmelker, Grauammer, Schwarzkehlchen, Neuntöter, Brachpieper, Heidelerche oder Raubwürger haben hier regional und überregional bedeutsame Vorkommen in einem Lebensraummosaik aus Magerrasen, Zwergstrauchheiden, Gras- und Krautfluren, Gebüschen, Baumgruppen und Pionierwäldern gefunden. Auch wertvolle Pflanzenarten wie Besenheide, Berg-Haarstrang, Heide-Nelke oder Zierliches Schillergras weisen ausgedehnte Vorkommen im Gebiet auf.

Militär und Naturschutz – ein Widerspruch?

Militärische Nutzung und Naturschutz werden häufig als Widerspruch wahrgenommen. Jedoch haben sich auf vielen ehemaligen und noch aktuell genutzten Truppenübungsplätzen gerade als Folge der militärischen Nutzung wertvolle Lebensräume mit Vorkommen seltener und gefährdeter Tier-und Pflanzenarten entwickelt.Viele Biotope unserer Landschaft sind erst infolge der langjährigen Nutzung durch den Menschen entstanden, z.B.durch Mähen, Beweiden oder Brennen. Da diese traditionellen, extensiven Bewirtschaftungsformen mit zunehmender Intensität der Landnutzung seit Mitte des 20. Jahrhunderts unwirtschaftlich wurden, sind Offenlandlebensräume gegenwärtig stark im Rückgang begriffen. Entgegen diesem Trend wurden jedoch auf Truppenübungsplätzen als „Nebenprodukt“ der militärischen Nutzung (z.B. Panzerfahr- und Schießübungen, spontane Brände) große Gebiete offen gehalten. Darüber hinaus sind diese Gebiete von Landschaftszerschneidung (Straßenbau), Zersiedelung oder intensiver Landnutzung weitgehend verschont geblieben. Mit der Aufgabe der militärischen Nutzung nach der politischen Wende drohen diese wertvollen Gebiete nun durch die Einwanderung von Birke, Kiefer, Zitterpappel und anderen Gehölzen zu verschwinden, wenn nicht konkrete Maßnahmen zum Erhalt dieser Lebensräume getroffen werden.

Basenreicher Sandrasen mit Berg-Haarstrang. Heide-Nelke. Berg-Sandglöckchen.

Wie kann die (Halb-)Offenlandschaft zukünftig erhalten werden?

Um die naturschutzfachlich bedeutendsten Bereiche der Oranienbaumer Heide langfristig für wertvolle Tier- und Pflanzenarten zu sichern, wurden große Teile des Gebietes als Naturschutzgebiet und als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und darüber hinaus neben einer Vielzahl weiterer ehemaliger Truppenübungsplätze, als FFH-Gebiet und als Europäisches Vogelschutzgebiet in das europäische Schutzgebietssystem NATURA 2000 integriert. Zudem hat die Bundesregierung das Gebiet aufgrund seiner überregionalen Bedeutung zum „Nationalen Naturerbe“ erklärt.

Damit stellt sich nun die Frage, wie die Offenlandlebensräume langfristig erhalten werden können. Viele der traditionellen Pflegemaßnahmen von Heidegebieten wie Mähen, Entbuschen oder die Entfernung des Oberbodens sind sehr kostenintensivundfüreineOffenhaltung auf sehr großer Fläche ungeeignet. Um ein naturschutzfachlich und zugleich ökonomisch tragfähiges Management realisieren zu können, wird deshalb im zentralen Offenlandbereich des Gebietes eineextensiveGanzjahresstandweidemit Heckrindern und Konikpferden errichtet (bis 2010 auf circa 900 ha).

Dabei steht der Erhalt einer halboffenen Weidelandschaft nach naturschutzfachlichen Maßgaben im Vordergrund und nicht eine auf Gewinn orientierte Haltung von Weidetieren. Deshalb wird eine sehr geringe Besatzdichte (circa 1 Tier pro 5 ha) angestrebt. Die Herde wird über einen Zeitraum von etwa fünf bis sechs Jahren schrittweise aufgebaut. Ist die endgültige Herdengröße erreicht, soll das sehr langsam gewachsene und qualitativ hochwertige Fleisch der Heckrinder regional vermarktet werden. Auf die Tier-gesundheit und den ordnungsgemäßen Zustand des Zaunes wird durch eine tägliche Kontrolle geachtet. Der Weidezaun wird wildtierdurchlässig gestaltet.

Heckrinder und Konikpferde als Landschaftspfleger

Das Heckrind ist das Ergebnis einer fast 80-jährigen Abbildzüchtung aus noch sehr ursprünglichen Rinderrassen aus verschiedenen Regionen Europas, mit dem Ziel, ein dem Auerochsen sehr ähnliches Rind zu erhalten. Heckrinder sind im Vergleich zu anderen Hausrinderrassen besonders widerstandsfähig und können das ganze Jahr über auf der Weide bleiben. Außerdem sind sie hinsichtlich der Futterqualität ausgesprochen anspruchslos. Konikpferde weisen eine enge Verwandtschaft zum osteuropäischen Wildpferd auf und zeichnen sich ebenso durch eine sehr hohe Robustheit aus. Beide Rassen erfordern aus diesem Grund nur einen geringen Betreuungsaufwand und eignen sich deshalb hervorragend zur Landschaftspflege auf ehemaligen militärisch genutzten Flächen.

Zum Erhalt der wertvollen Offenlandlebensräume in der Oranienbaumer Heide sollen die spezifischen Wirkungen hinsichtlich Fraßverhalten, Tritt und Suhl- oder Wälztätigkeit dieser Tiere genutzt werden, welche nicht nur zur Offenhaltung der Landschaft, sondern auch zu einer Erhöhung der Arten- und Strukturvielfalt aufgrund der mosaikartigen Verzahnung von Gras- und Krautfluren, Heidebeständen und eingestreuten Gebüschstrukturen führen können.

Warzenbeißer. Rundaugen-Mohrenfalter.

Wissenschaftliche Begleitung

Das Vorhaben wird im Rahmen eines von übungsplätzen unter Einhaltung der der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Gefahrenabwehrverordnung, derzufol(DBU) geförderten Forschungsprojektes ge ein Betreten von kampfmittelbelawissenschaftlich begleitet. Dabei sollen steten Flächen eine Genehmigung der einerseits am Beispiel der Oranienbau-zuständigen Sicherheitsbehörde erformer Heide modellhaft Lösungsvorschlä-dert, realisiert werden kann. Andererge entwickelt werden, wie langfristig eine seits soll sowohl das Fraßverhalten der Nachnutzung von ehemaligen Truppen-Robusttiere als auch die Entwicklung der Vegetation und ausgewählter Pflanzen- und Tierarten untersucht werden. Die Beobachtungen sollen dazu dienen, die Besatzdichte optimal im Hinblick auf das Ziel des Projektes, den Erhalt einer halboffenen Weidelandschaft und ihrer typischen Tier- und Pflanzenarten, anzupassen.

Kontakt

Hochschule Anhalt (FH), Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung, Strenzfelder Allee 28, 06406 Bernburg, Tel.: 03471 / 3551131, b.felinks@ loel.hs-anhalt.de
Biosphärenreservat „Mittelelbe“ Kapenmühle, 06813 Dessau, Tel.: 034904 / 4210, bioresme@lvwa.sachsen-anhalt.de
Bundesforst Roßlau, Berliner Straße 51, 06862 Roßlau, Tel.: 034901 / 84137 BF-ro@bundesimmobilien.de


Projektpartner


Primigenius – Köthener Naturschutz und Landschaftspflege gGmbH
Förder-und Landschaftspflegeverein „Mittelelbe“ e.V., Dessau-Roßlau
Wirtschaftsförderung & Tourismus Anhalt GmbH, Dessau-Roßlau

 

 

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